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Co-Kulturen von Caco-2 und E.coli
Optosensorische Online-?berwachung der O2-Aufnahme und der extrazellul?ren Versauerung
Martin Brischwein und Daniel Grundl
Heinz-Nixdorf-Lehrstuhl für Medizinische Elektronik, TU München
Oligogalacturons?uren (OGAs), die durch Hydrolyse von Pektin hergestellt werden, hemmen bekannterma?en die Adh?sion von pathogenen Bakterien an Darmzellen und verhindern somit Infektionskrankheiten. Um die Wirkungen von OGAs zu testen, wurde ein in vitro Modell bestehend aus Caco-2 Zellen (humaner Dünndarm) und dem E. coli C25-Stamm erstellt. Die Co-Kulturen wurden in einer neuen, markerfreien Zell-Assay-Plattform eingerichtet, die mit einer 24 Well Platte arbeitete. Der SDR SensorDish? Reader erm?glicht die kinetische ?berwachung von Sauerstoff und pH-Wert in jedem Well mit chemisch-optischen Sensoren, um so die zellul?re Sauerstoffaufnahme und die extrazellul?re Ans?uerung zu analysieren.
Messger?t und Sensoren
Das Ger?t besteht aus einem Pipettierroboter, einer Klimabox und Sensorsystemen. Der Roboter versorgt die in Testplatten mit 24 Wells kultivierten Zellen mit Medien und Wirkstoffen (Abb. 1). Die Klimabox sorgt bei Langzeitmessungen für konstante Temperatur, Luftfeuchtigkeit und aseptische Bedingungen. Chemisch-optische Sensoren für gel?sten Sauerstoff und pH (PreSens GmbH) werden mit dem SDR SensorDish? Reader (PreSens GmbH) unter der Testplatte für beide Parameter angeregt und ausgelesen. Die Sensoren werden als kleine Punkte auf das Glassubstrat, das den Boden der Platte bildet, aufgebracht. Die Auslesefrequenz jedes Sensors liegt bei 0,16 Hz. Mit Hilfe des Deckel wurden kleine Volumina von ca. 20 μl (Kammerh?he ca. 0,5 mm) in jedem Well angepasst, um beim Abstellen des Flusses (ca. 10 min.) einen schnellen Sauerstoff- und pH-Abfall zu erreichen. Im folgenden Durchflusszyklus wurde das Medium innerhalb des Mikrovolumens (teilweise) vom Roboter ausgetauscht, um die Grundwerte wiederherzustellen. In Zeitintervallen von 2 Stunden wurde das Medium in den Vertiefungen vollst?ndig ausgetauscht. Die Raten des zellul?ren Sauerstoffverbrauchs und der extrazellul?ren Ans?uerung innerhalb der Mikrovolumina wurden aus den Steigungen w?hrend der Zeitintervalle ohne Str?mung berechnet, d.h. (Δ%O2 / Δt) und (ΔpH / Δt). Die Rohdatenauswertung (und Systementwicklung) wurde durch Prozesssimulation mit Finite-Elemente- (FEM-) numerischer Simulation unterstützt, die die molekulare Diffusion, die Pufferkapazit?t (Abb. 2) und den Flüssigkeitsstrom beschrieb.
Metabolismus der Caco-2 / E.coli Co-Kulturen
Die Arbeitshypothese hinter dieser Arbeit war, (1) dass E. coli C25 bei Adh?sion nachweisbare Wirkungen auf den Caco-2 Metabolismus hat und (2) dass solche Effekte durch Zugabe von OGAs inhibiert werden k?nnen. Um diese Hypothesen zu testen, wurden Caco-2 Zellen auf der Testplatte ausges?t und für 14 Tage kultiviert, um eine gut differenzierte Schicht von Darmzellen zu erhalten. Dann wurde die Platte in die Systemplattform eingesetzt und die Messung von pH und Sauerstoff wurde gestartet. Nach 2 Stunden wurden E. coli C25 in das Vorratsgef?? gegeben, das das Medium enthielt, für 1 Stunde inkubiert und durch den Pipettierroboter wieder ausgewaschen. Die hinzugefügten Bakterien waren entweder mit oder ohne OGA (Fraktion V 12.1) vorinkubiert worden. Nach dem Auswaschen der Bakterien im ?berstand wurde dem Medium Ampicillin zugegeben, um ein unkontrolliertes Wachstum von verbleibenden anhaftenden Bakterien zu verhindern. Die Datenerfassung dauerte 22 Stunden. Abb. 3 zeigt die Kinetik nach Umstellung von Standardmedium für die Zellkultivierung auf 3 verschiedene Medien - Zellkulturmedium für die Caco-2 Zellen (Kontrolle), Medium mit E.coli und Medium mit E.coli und OGAs - aber noch vor dem Auswaschen von Bakterien aus dem ?berstand. Der Vergleich von Proben von E.coli mit und ohne OGAs zeigt, dass OGAs - abgesehen von einer erwarteten Wirkung auf die Adh?sion - eine deutliche wachstumshemmende / zytotoxische Wirkung auf Bakterien haben. Obwohl in diesem Stadium des Tests die gleiche Menge an E. coli in beiden Medien vorhanden war, zeigten die OGA-enthaltenden Proben eine viel geringere Aktivit?t als die Proben mit nur E. coli. Beim Vergleich der pH-Kinetik zeigten die Proben mit OGA nur eine etwas h?here Aktivit?t im Vergleich zur Kontrolle ohne Bakterien (angezeigt durch die abnehmenden Verschiebungen bei Mediumwechsel). Neuere Ergebnisse legen nahe, dass verschiedene Fraktionen von OGAs, die durch Pektinhydrolyse hergestellt wurden, sich in ihren adh?sions- und wachstumshemmenden Wirkungen deutlich unterscheiden. Im Gegensatz zur Arbeitshypothese zeigte sich jedoch, dass die Co-Kultivierung von E. coli C25 und Caco-2 Zellen keine offensichtlichen Auswirkungen auf den Caco-2 Metabolismus hat. Abbildung 4 zeigt die gesamte Kinetik des Assays. Nach dem Auswaschen der Bakterien aus dem ?berstand nach 4 Stunden unterschieden sich die Ans?uerungsraten der 3 unterschiedlich behandelten Proben nicht wesentlich. Die statistische Auswertung der Daten aller Wells (8 Vertiefungen für jede der drei Gruppen mit (1) Caco-2 Zellen alleine, (2) Caco-2 + E. coli C25 und (3) Caco-2 + E. coli C25 / OGA ) best?tigt das Fehlen nachweisbarer Effekte auf den Caco-2 Metabolismus, der mit der Adh?sion von E. coli korreliert sein k?nnte. Die Adh?sion von E. coli C25 an Caco-2 Zellen selbst wurde unabh?ngig verifiziert, indem koloniebildende Einheiten aus adh?renten Zellen gez?hlt wurden (Daten nicht gezeigt). Offensichtlich beinhaltet der pathogene Mechanismus keine ausgepr?gten metabolischen Reaktionen der betroffenen Caco-2 Zellen. Die Studie konzentriert sich nun auf die Quantifizierung von wachstumshemmenden / toxischen Wirkungen der verschiedenen OGA-Fraktionen allein auf Bakterienst?mme.


Zusammenfassung
Aus Pektin gewonnene OGAs werden wegen ihres Potenzials zur Behandlung von Durchfall als zielgerichteter Lebensmittelzusatzstoff diskutiert. Der Ursprung dieser Diskussion war die Erkenntnis, dass OGAs der wirksame Bestandteil von Karottensaft sind, der seit 1908, als der Kinderarzt Dr. Moro die Wirkung entdeckte, therapeutisch bei an Durchfall erkrankten Kindern angewendet wurde. Der Mechanismus erwies sich als inhibitorischer Effekt von OGAs auf die Adh?sion pathogener Bakterien an Darmzellen. Der gezielte Einsatz von OGA geh?rt zum Bereich "Functional Food" und findet in der Lebensmittelindustrie zunehmendes Interesse. Diese Studie, die in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Institut für Lebensmitteltechnik in Quakenbrück initiiert wurde, ist ein Beitrag zur Schaffung neuer wissenschaftlicher Beweise für die Existenz (oder Nichtexistenz) vorteilhafter Eigenschaften, die von solchen additiven Nahrungsmitteln erwartet werden k?nnen.


