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?berwachung mittels PreSens optischer Sensoren in isoliertem perfundiertem Herz Versuchsstand

O2-, CO2- und Glukose-Durchflusszellen integriert in einem Blut-Perfusionssystem

Daniela Obermaier1 & Giuliano Giacoppo2
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PreSens Precision Sensing GmbH, Regensburg, Deutschland
2Regensburg Center of Biomedical Engineering, Ostbayerische Technische Hochschule, Regensburg, Deutschland

Bei der Langzeitanwendung von künstlichen Lungen (Extra Corporeal Membrane Oxygenator ECMO) treten viele Komplikationen auf, wie Blutgerinnung, Zellzerst?rung (H?molyse) oder Blutungsneigung der Patienten. Ob diese Komplikationen durch die mechanische Blutpumpe oder durch Str?mung im ECMO entstehen ist derzeit unklar. Um die Entstehung von Gerinnung und H?molyse besser untersuchen zu k?nnen wird ein Versuchsstand eines isolierten perfundierten Tierherzens entwickelt, welcher eine ideale physiologische Blutpumpe darstellt. Somit wird die Differenzierung von fluidmechanischen Prozessen, Biokompatibilit?tsproblemen sowie Pumpen-induzierten Ph?nomenen erm?glicht.

Jedes Jahr sterben ca. 600.000 Patienten an Lungenerkrankungen in der EU, wovon mehr als die H?lfte der Todesf?lle auf "chronisch obstruktive Lungenerkrankungen" (COPD) zurückzuführen sind. Gegenw?rtig sind 210 Millionen Menschen weltweit von dieser Krankheit betroffen und die Zahl steigt stetig an.
Sobald konventionelle Therapie bei Patienten mit akut lebensbedrohlichen Atemfunktionsst?rungen versagt, wird meistens eine ECMO durchgeführt. Die ECMO übernimmt die Funktion des Herzens und der Lunge und unterstützt somit den Patienten, wodurch dem Herz-Kreislaufsystem mehr Zeit gegeben werden kann, sich zu erholen. Die ECMO-Therapie wurde ursprünglich für die Kurzzeitanwendung entwickelt. In der klinischen Anwendung zeigt sich der Trend, die ECMO langzeitig für akut lungenkrante Patienten anzuwenden, wobei entsprechende Komplikationen wie vermehrte Koagulation, H?molyse, Infektion und Blutungsneigung auftreten k?nnen.
Das Ziel dieser Studie ist es zu untersuchen, ob die Ursache der Komplikationen in der notwendigen Blutpumpe oder im Oxygenator selbst entsteht. Deshalb wird ein medizinischer ECMO Prüfstand mit einem iolierten perfundierten Herz als Blutpumpe entwickelt. Dieser Prüfstand erm?glicht die Differenzierung des Entstehungsortes der Sch?den. Da das Herz über Jahrhunderte perfekt von der Natur optimiert worden ist, kann davon ausgegangen werden, dass unter diesen physiologischen Bedingungen keine Sch?den entstehen. Sofern unter diesen Versuchsbedingungen vermehrt H?molyse auftritt und Blutungsneigung nachgewiesen werden kann, ist dies mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Indiz dafür, dass die Str?mungssituation im Oxygenator nicht optimal ist.

Material & Methoden

Drei Schweineherzen (Abb. 3) wurden in den hier beschriebenen Experimenten verwendet, da sie eine gro?e anatomische und physiologische ?hnlichkeit zu einem humanen Herzen habe, und eine gute experimentelle Alternative darstellen. Darüber hinaus, sind Schweineherzen leicht zu beschaffen, da sie in Schlachth?usern oft als Abfallprodukt behandelt werden.
Um das Schweineherz für die Versuche vorzubereiten, wurde es unmittelbar nach der Schlachtung nach den aktuellen Leitlinien für transplantierbare Herzen behandelt. Dies erforderte eine umgehende Kühlung auf 4 °C und ein Spülen der Herzgef??e mit kardiopleger L?sung. Durch das schnelle Abkühlen (sogenannte Warm-Isch?mie Zeit) wird der Stoffwechsel und somit auch der Sauerstoffverbrauch des Herzens erheblich reduziert, wobei insgesamt eine Isch?mie Zeit, also eine Zeit ohne Blutversorgung, von bis zu 4 Stunden toleriert werden kann.
Im Labor wurde das Herz anschlie?end für das Experiment vorbereitet. Dabei wurden die Koronararterien vorsichtig am Ansatz frei pr?pariert und von der Aorta abgetrennt. Die dadurch offenen Gef??g?nge (Ostien) wurden zugen?ht und die linke Seite des Herzens konnte als Pumpe für einen separaten, eigenst?ndigen Testkreislauf verwendet werden. Die Koronararterien wurden über eine Oxygenator (als Lungenersatz) mit der rechten Seite des Herzen kurzgeschlossen. Mit der Unterstützung einer mechanischen Pumpe und des Oxygenators (Abb. 1 A) wurde 37 °C warmes und sauerstoffreiches Blut dem Herz zugeführt (Abb. 1 C).
Das Herz erw?rmt sich und der Myokardmuskel beginnt wieder autonom, initiiert vom Herz-eigenen Erregungssystem, dem Sinusknoten, zu kontrahieren. Unter Umst?nden entsteht beim Wiedereinsetzen der Herzaktivit?t eine Arhythmie, sogenanntes Herzkammerflimmern, welches mit Hilfe eines Defibrillators behandelt werden kann. Der Defibrillator erzeugt dabei eine elektrische Entladung, wodurch das Herz synchronisiert wird und der Sinusknoten wieder einen physiologischen Takt vorgeben kann.
Damit sichergestellt ist, dass das Herz wieder kontrahiert, muss das Blut auf physiologische Werte eingestellt werden. Besonders wichtig dabei sind die Partialdrücke von Sauerstoff und Kohlendioxid, sowie die Temperatur und der Glukosespiegel. Die Normwerte sind in Tabelle 1 aufgelistet.

Die Begasung des Oxygenators mit Sauerstoff und CO2 ist besonders anspruchsvoll, und muss reguliert werden. Für eine schnelle Blutwertanalyse wurden drei PreSens Durchflusszellen mit integrierten Sensoren (FTCs) für Sauerstoff, pCO2 und Glukose in den Mock Loop zwischen Herz und Oxygenator eingebaut. Zus?tzlich wurde ein Temperatursensor, der mit einem der PreSens Messger?te verbunden war direkt in den Blutstrom eingeführt. Der Glukosesensor wurde bereits beim Metzger mit Blut benetzt. Dadurch hatte der Sensor genügend Zeit (ca. 2 Std.), um sich zu ?quilibrieren bevor er in den Mock Loop eingebaut wurde. Die Messungen konnten am Versuchstag live mitverfolgt werden. Zus?tzlich wurden mittels eines Blutgasanalyse-Ger?tes (BGA) die Daten aufgezeichnet, und die Daten untereinander zu vergleichen und eine Einpunktkalibrierung der PreSens Sensoren zu Beginn des Versuchs durchzuführen. Jedoch nimmt die Messung mittels BGA einige Zeit in Anspruch, weshalb nur alle 3 bis 5 Minuten Daten erhoben werden konnten.

Ergebnisse

Am 23. Juli 2018 konnten das erst mal die PreSens Sensoren im Versuchsstand an drei Herzen getestet werden (Abb. 2). Alle drei Herzen konnten erfolgreich mit demselben Blut von Herz A reanimiert werden (vgl. Tab. 2). Aufgrund der Tatsache, dass alle Herzen, wenn auch nur für kurze Zeit, erfolgreich reanimiert werden konnten zeigt den Erfolg des Versuches.

Die PreSens Sensoren integriert in Durchflusszellen waren sehr hilfreich und erm?glichten ein schnelles Eingreifen, wenn die Blutgas- und Glukosewerte nicht im optimalen Bereich lagen. Die Messungen mit den pO2 und pCO2 Sensoren zeigten einen sehr ?hnlichen Verlauf zu den BGA Werten. Obwohl es bei einigen Messungen zu einer starken Abweichung kam (vgl. Minute 30 in Abb. 4) zeigten die übrigen Werte eine plausibel geringe Abweichung. In Abbildung 4 zeigt sich, dass die pO2 Werte bei BGA grunds?tzlich etwas h?her waren. Dies k?nnte daran liegen, dass bei der Messung die Probe zwangsl?ufig Kontakt mit Umgebungsluft bekommt. Da der pO2 in der Umgebungsluft meist h?her ist als der von Blut kommt es zum Austausch und somit zur Erh?hung des pO2 im Blut. Dies würde vor allem den Offset in den ersten 15 Minuten in Abbildung 4 erkl?ren. Au?erdem wird bei der Messung mittels BGA einige Zeit ben?tigt, weshalb es zu einer Abkühlung der Blutprobe kommen kann, was wiederum das Ergebnis verf?lscht. Weiterhin ist an den zwei Peaks in Abbildung 4 und dem einen Peak in Abbildung 5 zu erkennen, wann dem Blut Sauerstoff bzw. Kohlendioxid zugeführt wurde. Es ist klar zu erkennen, dass das Blut sehr sensibel auf die Zufuhr von Gasen reagiert. Bereits geringe Mengen führen zu einem sprunghaften Anstieg des Partialdrucks. Dank der kontinuierlichen Messungen der PreSens Sensoren konnten im Versuch die Gase rasch zurückgedreht und besonders der pCO2 auf einem physiologischen Niveau gehalten werden. Der anf?ngliche Anstieg der Temperatur auf 40 °C und anschlie?ende Abfall auf 37 °C ist auf die Regelung des Thermostats per Hand zurückzuführen. Der Vergleich zwischen Abbildung 6 und Abbildung 5 zeigt, dass die Temperatur den pCO2 des Blutes stark beeinflusst.
Der Glukose Sensor zeigte ebenfalls seine Funktionstüchtigkeit. Es sind klar zwei starke Anstiege in Abbildung 7 zu erkennen, welche zeitlich mit der Zugabe von 10 ml 20 %iger Glukose-L?sung übereinstimmen. Au?erdem ist bei Minute 30 ein starker Abfall an Glukose sichtbar. Dies spiegelt den Verbrauch von Glukose des Herzens wieder, das zu dieser Zeit funktionstüchtig arbeitete. Der darauffolgende Anstieg ist die Folge der kontrollierten Zufuhr von 20 %iger Glukose-L?sung.

Zusammenfassung

Die PreSens Sensoren integriert in Durchflusszellen sind eine gro?e Bereicherung für den Versuchsstand. Diese Sensoren erm?glichen kontinuierliche Datenaufzeichnung und bei Abweichungen von physiologischen Werten kann rasch reagiert werden. Jedoch gibt es noch einige Abweichungen zu den Messungen mit BGA, welche noch gekl?rt werden müssen. Um statistisch repr?sentative Ergebnisse zu erlangen, müssen noch etliche Versuche durchgeführt werden.

Sehen Sie sich unser kurzes Video zu diesen Experimenten an!

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